4 Tage bis zur Stuttgarter Buchmesse
„Wir hatten ja nichts“ – nicht einmal Bücher
24. Februar
Noch vier Tage.
Gestern waren es noch fünf.
Das Telefon klingelt.
Ich sitze am Klavier. Wolfgang und ich proben, um das Offene Singen in unserem Ort zu begleiten.
Ich gucke aufs Display. Es ist die Nummer der Druckerei, die mir meine Graphic Novel drucken will.
„Da muss ich kurz rangehen“, sage ich zu Wolfgang.
Ich bin gespannt. Ein bisschen aufgeregt. Bestimmt rufen sie an, um mir zu sagen, dass ich die Bücher heute holen kann.
Anruf von der Druckerei
„Ich wollte nur mal nachfragen“, sagt die Frau am anderen Ende der Telefonleitung, „Die Datei hat ein anderes Format, als du in der Mail angegeben hast“, sagt sie.
‚In der ersten Mail‘, denke ich. In der zweiten hatte ich schon darauf hingewiesen, dass ich mich für ein anderes entschieden hab.
Diese Mail hatte sie vielleicht nicht gelesen.
Egal.
„Das Format ist mir eigentlich so wichtig nicht“, erkläre ich und „mach einfach, was möglich ist.“ Ich lächle. Ich kenne die Frau. Es ist ein ganz junges Mädchen und sie ist eigentlich immer sehr bemüht. „Hauptsache, es ist schön.“
„Und dann hab ich noch eine Frage“, fährt sie fort. „Du hast eine Datei für das Deckblatt der Broschüre mitgeschickt. Das hat eine Rückseite. Was soll ich damit machen?“
Broschüre?
Wieso Broschüre?
Ich hatte Bücher bestellt
Ich hatte Bücher bestellt. Hardcover. Mit schönem, etwas dickerem Papier.
„Ja, aber …“, die junge Frau ist verunsichert.
„Da muss ich nachfragen“, sagte sie. „Für den angebotenen Preis können wir keine Hardcover-Bücher drucken.“
Ok. Dann frag. Und schick mir die Antwort per Mail.
Ich probe weiter.
Sitze am Klavier. Spiele und singe.
Zusammen mit meinem Gitarristen.
„Ich kann jetzt nicht telefonieren“, erkläre ich.
Die Antwort kommt später. Von Stefan, dem Inhaber der Druckerei. Per Telefon. Weil ich nicht rangehen kann und will, auf die Sprachbox.
Für ein Buch mit 50 Seiten und Hardcover müsste er 50 € berechnen.
50 €.
Und ich fand schon die 20 € bei BoD zu viel.
Fünfzig Euro für 50 Seiten?
Wenn ich 50 € für ein Buch zahle, für welchen Preis soll ich das dann bitte anbieten?
Und wer bitte gibt denn freiwillig so viel Geld für eine Graphic Novel mit 50 Seiten aus?
Das war Montagabend.
Inzwischen ist schon Dienstagmorgen.
Ich hab gestern nicht zurückgerufen, sondern eine Mail geschrieben.
Schieb’s dir sonstwohin.
Schmier es dir in die Haare.
Nein, so hab ich es natürlich nicht geschrieben.
Ich war freundlich. Aber klar.
Tja …
Und nun?
Es ist zu spät, die Bücher noch irgendwoanders drucken zu lassen.
Alle brauchen mindestens vier Arbeitstage.
Ich könnte die Bücher frühestens Montag haben, heißt es überall.
Das ist zu spät für die Buchmesse.
Fehldrucke und alte Bücher
Was habe ich jetzt also?
Zehn Fehldrucke meiner Rabenbücher.
Ein paar Exemplare früher geschriebener Reisebücher, zwei historische Romane, deren Handlung etwa vor 100 Jahren spielt.
Eine Dokumentation über diese Zeit.
Alles nicht das, was ich ursprünglich wollte.
Was ich wollte, weshalb ich mich überhaupt für die Messe angemeldet hab, waren die Emma-Bücher und meine Graphic Novel.
Emma gibt es nun nicht mehr, weil Tammy sie nicht mehr will. Zumindest nicht mit mir.
Und meine Graphic Novel ist zwar fertig und veröffentlicht, aber ich habe keine gedruckten Exemplare, die ich mitnehmen kann.
Ich glaub, ich geb auf
Ich sollte aufgeben.
Nicht noch mehr Geld ausgeben, das ich nicht hab.
Aber wenn ich aufgebe, nicht zur Messe gehe, habe ich den ganzen Aufwand, nicht nur den finanziellen, völlig umsonst betrieben.
Und nun?
Morgen ist ein neuer Tag.
Dass der besser wird
Das wünscht sich
Regina
