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30 Tage bis zur Stuttgarter Buchmesse 

Das Emma-Drama

Eigentlich hatte ich mich auch ein bisschen deshalb da angemeldet, damit ich eine Deadline hab. Damit ich ein Ziel hab, bis wann ich zumindest den ersten Band meiner Graphic Novel fertig hab.

Aber dann kamen immer wieder Ideen dazwischen.

Erst kam Emma

Erst war es Tammy mit ihrer Idee, ein Bilderbuch im Stil der Conny-Bücher herauszugeben. Sie wollte den Text liefern, ich sollte zeichnen. Das Buch wollten wir gemeinsam auf der Buchmesse vorstellen.

Also gut. Der erste Band meiner Graphic Novel und den ersten Band ihrer Emma-Reihe.

Dann hat sie es sich aber doch ganz anders vorgestellt. Als ich ihr die ersten handgezeichneten Entwürfe gezeigt hab, kam die Rückmeldung „Aber auf der zweiten Seite ist Emmas Auge nicht genau so wie auf der ersten. Das hat mein Mann auch gesagt.“

Gut. Mach ichs noch mal. Vielleicht doch nicht so aufwändig handgezeichnet, geinkt und koloriert. Einfacher muss es sein. Dann ist das vielleicht einfacher, die Seiten gleich zu zeichnen.

„Das Auge ist nicht gleich“

Die nächste Rückmeldung „Der Vater hat in der zweiten Szene eine andere Frisur.“

Ja. Hat er.

Es muss also noch einfacher. Irgendwas mit Vorlagen, die man kopieren kann. Dann hab ich Charaktere entwickelt, Proportionen, Gestik, Mimik, Perspektiven. Von Emma und ihre Eltern.

Aber auch das hatte seine Tücken. Denn die Vorlagen, die ich mir in meiner Bibliothek gespeichert hab, passten nie. Immer war die Perspektive, die Bewegung, die Haltung eine andere. Und auch die Emotionen mussten ja in allen Perspektiven funktionieren. Egal, ob Emma nach oben oder unten guckt. Ob sie nach rechts oder links guckt. Von vorne oder im Halbprofil.

Ja und ihr ahnt es: Die Emmas waren schon wieder nicht identisch.

Es muss also noch einfacher. Im Comic-Stil vielleicht?

Handgezeichnet ist wie Handschrift

Ich hab dann zu Tammy gesagt: Weißt du was – bevor ich jetzt immer wieder von vorne anfange, mach ich das Buch jetzt einfach zu Ende. Und dann zeig ich es dir erst. Und dann magst du es so, wie ich es gezeichnet hab, oder eben nicht. Und wenn dir das alles nicht gleich genug ist, wirst du wohl doch eine KI bemühen müssen. Dann ist jede Figur wie die andere. Handgezeichnet ist wie Handschrift. Da sieht eben auch nicht jeder Buchstabe in jedem Wort genau gleich aus. Außer eben man digitalisiert es. Aber das ist eine andere Geschichte und wir wollten jetzt ja eigentlich nicht über Handschriften reden.

Das Ende vom Lied: Emma – das Buch war fix und fertig. Vom Cover bis zu allen Innenseiten.

Und Tammy wollte es nicht mehr.

 

Nun liegt es da

Nun liegt es da
Was mach ich nun?
Meine Graphic Novel weiter. Die ist nämlich in dem Jahr, in dem ich an Emma gearbeitet hab, liegen geblieben. Da macht man die Dinge für andere Leute und die eigenen Projekte stehen hinten an.

Aber nun brauchte ich doch was. Ich hab ja sonst gar nichts für die Buchmesse.
Na ja – ganz mit leeren Händen werde ich dann nicht hingehen müssen, dachte ich. Ich hab ja noch ein paar Bücher von mir, die ich früher mal geschrieben hab.

Aber das ist nichts, was ich gezeichnet hab. Angekündigt für die Messe hab ich ein Bilderbuch und eine Graphic Novel.
Und nun?
Kann ich irgendetwas von Emma verwenden?
Nein, sagt Tammy. Die Geschichte, die Idee ist mein geistiges Eigentum.
Ok – aber was ist mit den Bildern?
Schreib ich eine neue Geschichte? So, dass ich wenigstens Teile der Bibliothek verwenden kann?

Ok – die Geschichte ist geschrieben. Ich müsste nun mal gucken, was ich aus meiner Bibliothek wie verwenden kann.

Und da waren sie wieder meine paar Probleme: Die Farben sind nicht meins. Emmas Lieblingsfarbe ist Lila und rosa. Ich mags aber lieber bunt.

Tammys Geschichte hat den Anspruch pädagogisch wertvoll zu sein. Ich mags lieber ohne erhobene Zeigefinger. Und auch ohne Friede-Freude-Eierkuchen. Meine Geschichten sind irgendwie anders.

Meine Graphic Novel ist liegen geblieben

Als erstes fliegen Mama und Papa raus. In meinen Kindergeschichten haben Erwachsene nichts zu suchen. Dann lieber eine Katze als Gesprächspartner. Oder ein Storch? Ich heiße Störk. Und da liegt es nahe, dass das mein Signatur-Tier ist. Und warum sollte er also nicht in meinem Bilderbuch die Hauptrolle spielen?

Weil ich alle Szenen dann mit Storch neu zeichnen muss.

Hab ich dafür Zeit? Vermutlich nicht. Vielleicht mach ich es. Aber jetzt ist erstmal die Graphic Novel dran.